Inhalt
- Warum Klimaanlagen Hals und Nase reizen können
- Das eigentliche Problem ist oft nicht die Klimaanlage – sondern ihre Einstellung
- Macht Zugluft also krank?
- Fünf einfache Regeln für klimatisierte Räume
- 1. Nicht direkt im Luftstrom sitzen
- 2. Nicht unnötig stark herunterkühlen
- 3. Ausreichend trinken
- 4. Nase und Augen nicht vergessen
- 5. Die Klimaanlage braucht Pflege
- Wenn der Hals bereits kratzt
- Wann aus „Klimaanlagen-Hals“ vielleicht doch ein Infekt geworden ist
- Was wir Ihnen in der Apotheke empfehlen können
- Bei trockener oder gereizter Nase
- Bei trockenem Hals und Kratzen
- Bei trockenen oder brennenden Augen
- Wenn tatsächlich ein Erkältungsinfekt vorliegt
- Mein Fazit

Draußen zeigt das Thermometer über 30 Grad, im Auto läuft die Klimaanlage auf Hochtouren und im Büro empfängt uns angenehm kühle Luft. Was an heißen Sommertagen zunächst wie eine Wohltat wirkt, kann allerdings schnell ins Gegenteil umschlagen: Der Hals beginnt zu kratzen, die Nase fühlt sich trocken an, die Augen brennen und am Abend stellt sich womöglich noch Heiserkeit ein.
Dann heißt es schnell: „Ich habe mich an der Klimaanlage erkältet.“
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Eine Klimaanlage erzeugt keine Erkältung – für einen Atemwegsinfekt braucht es Krankheitserreger, meistens Viren.
Trotzdem ist an der Beobachtung vieler Menschen etwas dran: Sehr kühle, trockene Luft und ein permanenter Luftstrom können unsere Schleimhäute deutlich belasten. Und genau deshalb lohnt sich ein etwas bewussterer Umgang mit Klimaanlagen.
Warum Klimaanlagen Hals und Nase reizen können
Unsere Nase und unser Rachen sind nicht einfach nur „Luftleitungen“. Ihre Schleimhäute haben eine wichtige Schutzfunktion.
Sie befeuchten die eingeatmete Luft, halten einen Teil von Staub und anderen Partikeln zurück und bilden eine wichtige Barriere zwischen unserer Umwelt und dem Körper. Atemwegsviren gelangen ebenfalls über die Schleimhäute in den Körper.
Wird die Umgebungsluft sehr trocken, kann sich das schnell bemerkbar machen. Typische Beschwerden sind:
- ein trockener oder rauer Hals,
- Kratzen oder Brennen im Rachen,
- eine trockene oder gereizte Nase,
- häufiges Räuspern,
- Heiserkeit,
- trockener Hustenreiz,
- brennende oder müde Augen.
Auch trockene Luft und Wind gehören zu den Faktoren, die trockene Augen begünstigen können.
Das Umweltbundesamt nennt für Innenräume einen Bereich von etwa 30 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit als günstigen beziehungsweise behaglichen Bereich. Bei sehr niedriger Luftfeuchtigkeit treten Reizerscheinungen häufiger auf.
Das eigentliche Problem ist oft nicht die Klimaanlage – sondern ihre Einstellung
Eine gut eingestellte Klimaanlage ist an einem heißen Sommertag durchaus angenehm. Problematisch wird es vor allem dann, wenn aus angenehmer Kühlung ein regelrechter Kälteschock wird.
Wer beispielsweise aus großer Sommerhitze immer wieder in stark heruntergekühlte Räume wechselt, empfindet den Temperaturunterschied häufig als unangenehm. Noch belastender kann ein kalter Luftstrom sein, der über längere Zeit direkt auf Gesicht, Hals, Nacken oder Oberkörper gerichtet ist.
Zugluft bedeutet physikalisch eine lokale Abkühlung durch bewegte Luft. Gerade an unbekleideten Hautpartien kann sie deutlich wahrgenommen werden. Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt Zugluft als häufige Ursache von Beschwerden in klimatisierten Arbeitsräumen.
Mein Rat: Eine Klimaanlage sollte den Raum kühlen – nicht die Menschen darin direkt anblasen.
Macht Zugluft also krank?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Nein: Kalte Luft allein verursacht keine Erkältung.
Eine klassische Erkältung ist eine Infektion der oberen Atemwege und wird in aller Regel durch Viren ausgelöst.
Trockene oder stark bewegte Luft kann aber unabhängig davon die Schleimhäute reizen. Ein trockener Hals nach mehreren Stunden im klimatisierten Büro muss deshalb noch lange kein Infekt sein.
Genau das erklärt auch, warum Beschwerden manchmal bereits wenige Stunden nach einer langen Autofahrt oder einem Arbeitstag unter der Klimaanlage auftreten und sich später wieder bessern.
Andererseits sollte man echte Infektzeichen nicht einfach der Klimaanlage zuschreiben. Kommen beispielsweise Schnupfen, Husten, deutliches Krankheitsgefühl oder Fieber hinzu, kann tatsächlich ein Atemwegsinfekt dahinterstecken. Erkältungen, Grippe und COVID-19 können teilweise ähnliche Beschwerden verursachen.
Fünf einfache Regeln für klimatisierte Räume
1. Nicht direkt im Luftstrom sitzen
Der Luftauslass sollte möglichst nicht dauerhaft auf Gesicht, Hals, Nacken oder Oberkörper gerichtet sein.
Das gilt im Büro genauso wie im Hotelzimmer oder im Auto.
Gerade im Fahrzeug lässt sich der Luftstrom meist problemlos Richtung Windschutzscheibe oder seitlich an den Insassen vorbeilenken.
2. Nicht unnötig stark herunterkühlen
Wer bei sommerlichen Außentemperaturen einen Raum sehr stark herunterkühlt, erkauft sich die vermeintliche Erfrischung häufig mit einem unangenehmen Wechsel zwischen heiß und kalt.
Meist fühlt sich bereits eine moderate Abkühlung deutlich angenehmer an.
Statt „so kalt wie möglich“ sollte deshalb besser gelten:
So kühl wie nötig – und so angenehm wie möglich.
3. Ausreichend trinken
Bei trockenem Mund und Hals hilft etwas erstaunlich Einfaches: regelmäßig trinken.
Wasser oder ungesüßter Tee unterstützen dabei, Mund und Rachen feucht zu halten. Kleine Schlucke über den Tag verteilt sind oft angenehmer als große Mengen auf einmal. Auch bei einem trockenen und gereizten Hals wird regelmäßiges Trinken als einfache unterstützende Maßnahme empfohlen.
4. Nase und Augen nicht vergessen
Nicht nur der Hals reagiert auf trockene Raumluft.
Auch die Nasenschleimhaut kann sich trocken und gereizt anfühlen. Hier können befeuchtende Kochsalz- oder Meerwassersprays hilfreich sein.
Bei trockenen Augen kommen sogenannte künstliche Tränen beziehungsweise benetzende Augentropfen infrage.
Wer regelmäßig unter trockenen Augen leidet, sollte sich beraten lassen, welches Präparat zur persönlichen Situation passt – beispielsweise bei Kontaktlinsen oder sehr häufiger Anwendung.
5. Die Klimaanlage braucht Pflege
Auch eine Klimaanlage sollte regelmäßig gewartet und gereinigt werden.
Filter und andere Bestandteile einer Lüftungsanlage können mit der Zeit verschmutzen. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb regelmäßige Funktionskontrollen, Reinigung und einen bedarfsgerechten Filterwechsel.
Ein unangenehmer oder muffiger Geruch aus einer Klimaanlage sollte daher nicht ignoriert werden.
Wenn der Hals bereits kratzt
Ist die Schleimhaut vor allem trocken und gereizt, steht zunächst Befeuchten und Beruhigen im Vordergrund.
Hilfreich können sein:
- ausreichend trinken,
- befeuchtende Lutschpastillen,
- eine Kochsalzlösung für die Nase,
- eine pflegende Nasensalbe,
- das Vermeiden weiterer direkter Zugluft,
- bei Heiserkeit die Stimme schonen.
Bei Halsbeschwerden werden beispielsweise Lutschpastillen oder das Gurgeln mit Salzwasser häufig als wohltuend empfunden.
Wichtig ist aber auch hier die Ursache: Ist die Schleimhaut nur trocken, benötigen wir andere Produkte als bei einer tatsächlich verstopften Nase oder einem ausgeprägten Atemwegsinfekt.
Ein abschwellendes Nasenspray ist beispielsweise kein Mittel gegen eine trockene Nasenschleimhaut. Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sind für eine verstopfte Nase gedacht und sollten nur kurzfristig angewendet werden. Bei längerer Anwendung kann die Nasenschleimhaut anschließend umso stärker anschwellen.
Wann aus „Klimaanlagen-Hals“ vielleicht doch ein Infekt geworden ist
Ein trockener, kratziger Hals ohne weitere Beschwerden lässt sich häufig gut mit einfachen Maßnahmen beruhigen.
Ärztlicher Rat ist dagegen sinnvoll, wenn beispielsweise
- hohes Fieber auftritt,
- die Beschwerden deutlich stärker werden,
- starke Schluckbeschwerden hinzukommen,
- Atemnot oder Probleme beim Atmen auftreten,
- Schmerzen im Brustkorb entstehen,
- die Beschwerden ungewöhnlich lange anhalten oder
- Menschen mit relevanten Vorerkrankungen deutlich erkranken.
Solche Warnzeichen sollten nicht einfach auf die Klimaanlage geschoben werden.
Was wir Ihnen in der Apotheke empfehlen können
Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob die Schleimhäute lediglich trocken sind oder bereits ein Infekt vorliegt. Deshalb lohnt sich gerade hier eine kurze Beratung.
Bei trockener oder gereizter Nase
Isotonische Kochsalz- oder Meerwassersprays
Sie befeuchten die Nasenschleimhaut und können mehrmals täglich verwendet werden. Sie eignen sich besonders bei trockener Raum- oder Klimaanlagenluft.
Nasenduschen und Kochsalzlösungen
Sie können die Nasenschleimhaut zusätzlich befeuchten und Sekret sowie eingeatmete Partikel ausspülen.
Pflegende Nasensprays oder Nasensalben, beispielsweise mit Dexpanthenol
Sie kommen infrage, wenn die Nasenschleimhaut bereits stärker trocken, wund oder gereizt ist.
Bei trockenem Hals und Kratzen
Befeuchtende Lutschpastillen
Je nach Produkt kommen beispielsweise Präparate mit Hyaluronsäure beziehungsweise Hydrogel-Komplexen, Isländisch Moos oder anderen schleimhautbefeuchtenden Bestandteilen infrage.
Der wichtigste Effekt ist hier häufig nicht ein starkes „Medikament“, sondern das längere Befeuchten und Beruhigen der gereizten Schleimhaut.
Salzhaltige Pastillen oder Halsbonbons
Auch das Lutschen selbst regt den Speichelfluss an und kann dadurch bei einem trockenen Hals angenehm sein.
Bei trockenen oder brennenden Augen
Benetzende Augentropfen – sogenannte künstliche Tränen
Sie können einen instabilen oder unzureichenden Tränenfilm ergänzen. Häufig eingesetzte Produkte enthalten beispielsweise Hyaluronsäure. Bei häufiger Anwendung können konservierungsmittelfreie Präparate sinnvoll sein. Künstliche Tränen gehören zu den üblichen Maßnahmen bei trockenen Augen.
Wenn tatsächlich ein Erkältungsinfekt vorliegt
Dann richtet sich die Behandlung nach den vorhandenen Beschwerden.
Bei Schmerzen oder Fieber:
Je nach Person können beispielsweise Paracetamol oder Ibuprofen infrage kommen. Dabei müssen Alter, Vorerkrankungen, Schwangerschaft, andere Medikamente und mögliche Gegenanzeigen berücksichtigt werden. Schmerz- und fiebersenkende Mittel können Erkältungsbeschwerden lindern, beseitigen die zugrunde liegende Virusinfektion jedoch nicht.
Bei deutlich verstopfter Nase:
Kurzfristig können abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sinnvoll sein. Sie sollten jedoch nicht länger als etwa eine Woche durchgehend angewendet werden.
Antibiotika sind bei einer gewöhnlichen Erkältung dagegen nicht sinnvoll, weil Erkältungen in aller Regel durch Viren verursacht werden.
Mein Fazit
Eine Klimaanlage ist im Sommer nicht unser Feind. Richtig eingesetzt sorgt sie für angenehmere Temperaturen und kann gerade an sehr heißen Tagen eine echte Erleichterung sein.
Entscheidend ist wie wir sie benutzen.
Wer sich stundenlang von kalter Luft direkt ins Gesicht oder auf den Hals blasen lässt, sehr trockene Raumluft ignoriert und den Raum stärker herunterkühlt als nötig, muss sich über einen kratzigen Hals oder gereizte Schleimhäute nicht wundern.
Die beste Strategie ist deshalb erstaunlich einfach:
angenehm statt eiskalt kühlen, direkte Zugluft vermeiden, ausreichend trinken und trockene Schleimhäute rechtzeitig pflegen.
Und wenn Sie nicht sicher sind, ob hinter dem Kratzen im Hals lediglich trockene Klimaanlagenluft oder bereits ein Infekt steckt, sprechen Sie uns gerne an. Wir helfen Ihnen dabei, die Beschwerden einzuordnen und die passende Unterstützung auszuwählen.



