Inhalt
- Warum sind Medikamente überhaupt nicht lieferbar?
- Lieferengpass bedeutet nicht automatisch Versorgungsengpass
- Was wir tun, wenn Ihr Medikament nicht verfügbar ist
- 1. Wir prüfen andere Hersteller
- 2. Wir prüfen verschiedene Bezugswege
- 3. Wir prüfen geeignete Packungsgrößen und Alternativen
- 4. Wir stimmen uns bei Bedarf mit Ihrer Arztpraxis ab
- Ein anderer Hersteller – ist das wirklich dasselbe Medikament?
- Was können Sie selbst tun?
- Medikamente nicht erst mit der letzten Tablette bestellen
- Bitte keine Medikamente hamstern
- Halten Sie Ihren Medikationsplan aktuell
- Informieren Sie uns über Unverträglichkeiten und Besonderheiten
- Nehmen Sie Medikamente nicht eigenmächtig anders ein
- Was sollten Sie tun, wenn ein wichtiges Medikament bald aufgebraucht ist?
- Besonders wichtig bei Kindern
- Warum Ihre Apotheke vor Ort bei Lieferengpässen besonders wichtig ist
- Unser Rat: Sprechen Sie frühzeitig mit uns

„Dieses Medikament ist momentan leider nicht lieferbar.“ Diesen Satz hören Patientinnen und Patienten inzwischen häufiger als noch vor einigen Jahren. Antibiotika, Blutdruckmedikamente, Schmerzmittel, bestimmte Säfte für Kinder oder andere häufig benötigte Arzneimittel können zeitweise nur eingeschränkt verfügbar sein.
Für Betroffene ist das verständlicherweise beunruhigend – besonders dann, wenn ein Medikament regelmäßig eingenommen werden muss.
Die wichtigste Nachricht vorweg: Ein Lieferengpass bedeutet nicht automatisch, dass Ihre Behandlung unterbrochen werden muss. Als Apotheke prüfen wir, welche Möglichkeiten bestehen, und suchen nach einer sicheren und für Sie passenden Alternative.
Warum sind Medikamente überhaupt nicht lieferbar?
Die Herstellung von Arzneimitteln ist heute international stark vernetzt. Viele Wirkstoffe und Vorprodukte werden nur noch von wenigen Herstellern produziert. Besonders bei Generika befinden sich wichtige Produktionsstätten unter anderem in China und Indien.
Das macht die Lieferketten anfällig.
Fällt eine Produktionsanlage aus, kommt es zu Qualitätsproblemen, fehlen Ausgangsstoffe oder entstehen Schwierigkeiten beim Transport, kann dies Auswirkungen auf zahlreiche Medikamente gleichzeitig haben. Manchmal steigt zusätzlich die Nachfrage plötzlich stark an – beispielsweise während einer ausgeprägten Erkältungs- oder Infektionswelle.
Hinzu kommt der seit Jahren bestehende hohe Kostendruck bei vielen Arzneimitteln. Wenn sich die Produktion auf wenige Standorte konzentriert, kann der Ausfall eines einzelnen Herstellers entsprechend größere Folgen haben.
Deshalb gehören Lieferengpässe inzwischen zum Alltag von Arztpraxen und Apotheken.
Lieferengpass bedeutet nicht automatisch Versorgungsengpass
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied.
Ist beispielsweise das Präparat eines bestimmten Herstellers nicht erhältlich, kann häufig ein Medikament eines anderen Herstellers mit demselben Wirkstoff verwendet werden.
Das bedeutet:
Ihre gewohnte Packung kann fehlen – der benötigte Wirkstoff kann trotzdem verfügbar sein.
Erst wenn keine geeignete Alternative beschafft werden kann und die notwendige Behandlung dadurch tatsächlich gefährdet ist, sprechen wir von einem echten Versorgungsproblem.
Genau an dieser Stelle beginnt ein wichtiger Teil unserer Arbeit als Apotheke.
Was wir tun, wenn Ihr Medikament nicht verfügbar ist
Wenn ein verordnetes Medikament nicht lieferbar ist, geben wir nicht einfach auf.
Je nach Arzneimittel und Verordnung prüfen wir verschiedene Möglichkeiten.
1. Wir prüfen andere Hersteller
Häufig ist lediglich ein bestimmtes Fabrikat betroffen. Dann kann möglicherweise ein wirkstoffgleiches Arzneimittel eines anderen Herstellers abgegeben werden.
Wirkstoff und Wirkstärke bleiben dabei entsprechend der zulässigen Austauschmöglichkeiten erhalten.
Dass Tabletten, Verpackung oder Name plötzlich anders aussehen, kann zunächst ungewohnt sein. Wir erklären Ihnen deshalb bei der Abgabe, was sich geändert hat und worauf Sie achten sollten.
2. Wir prüfen verschiedene Bezugswege
Apotheken arbeiten mit pharmazeutischen Großhandlungen und unterschiedlichen Lieferwegen zusammen.
Ist ein Arzneimittel über einen Bezugsweg nicht verfügbar, prüfen wir – soweit möglich – weitere Beschaffungsmöglichkeiten.
Was im ersten Moment „nicht lieferbar“ erscheint, lässt sich deshalb manchmal doch noch organisieren.
3. Wir prüfen geeignete Packungsgrößen und Alternativen
Je nach Verordnung und gesetzlichen Möglichkeiten kann beispielsweise eine andere verfügbare Packungsgröße infrage kommen.
Bei bestimmten Arzneimitteln können außerdem andere Darreichungsformen oder Wirkstärken eine Möglichkeit sein.
Dabei gilt jedoch immer:
Die Arzneimitteltherapie muss sicher bleiben.
Verändern Sie deshalb niemals selbstständig die Dosierung, teilen Sie Tabletten nicht ohne Rücksprache und wechseln Sie nicht eigenmächtig auf ein anderes Arzneimittel.
4. Wir stimmen uns bei Bedarf mit Ihrer Arztpraxis ab
Manchmal reicht der Austausch gegen ein wirkstoffgleiches Präparat nicht aus.
Dann kann beispielsweise ein anderer Wirkstoff oder eine veränderte Verordnung notwendig sein. In solchen Fällen stimmen wir das weitere Vorgehen – soweit erforderlich – mit der behandelnden Arztpraxis ab.
Für Sie bedeutet das: Sie müssen mit dem Problem nicht allein von Apotheke zu Apotheke oder zwischen Arztpraxis und Apotheke pendeln.
Sprechen Sie uns an. Wir prüfen zunächst, welche Lösung möglich ist.
Ein anderer Hersteller – ist das wirklich dasselbe Medikament?
Diese Frage hören wir häufig.
Wenn wir Ihnen im Rahmen der zulässigen Austauschmöglichkeiten ein wirkstoffgleiches Arzneimittel anbieten, kann es anders heißen, eine andere Verpackung haben oder eine Tablette anders aussehen.
Der für die Behandlung entscheidende Wirkstoff ist jedoch entsprechend vorhanden.
Unterschiede können beispielsweise bei Hilfsstoffen, Tablettenform oder Handhabung bestehen. Gerade wenn Sie Allergien oder Unverträglichkeiten haben, bestimmte Hilfsstoffe vermeiden müssen oder Schwierigkeiten beim Schlucken haben, sollten Sie uns deshalb darauf hinweisen.
Auch bei Arzneimitteln mit besonderen Darreichungsformen oder speziellen Anwendungssystemen ist eine individuelle Beratung wichtig.
Unser Ziel ist nicht irgendein Ersatz, sondern eine für Ihre Therapie geeignete Lösung.
Was können Sie selbst tun?
Auch Patientinnen und Patienten können dazu beitragen, dass eine notwendige Dauermedikation nicht unnötig unterbrochen wird.
Medikamente nicht erst mit der letzten Tablette bestellen
Wenn Sie ein Arzneimittel dauerhaft einnehmen, kümmern Sie sich möglichst rechtzeitig um die nächste Verordnung.
Ein kleiner zeitlicher Puffer gibt uns die Möglichkeit, bei einem Lieferproblem nach Alternativen zu suchen oder gegebenenfalls Rücksprache mit der Arztpraxis zu halten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie große Vorräte anlegen sollten.
Bitte keine Medikamente hamstern
Die Sorge vor Lieferengpässen ist verständlich. Große private Vorräte können die Situation jedoch zusätzlich verschärfen.
Wenn viele Menschen vorsorglich deutlich mehr Arzneimittel kaufen oder verordnen lassen als tatsächlich benötigt, fehlt diese Ware möglicherweise anderen Patientinnen und Patienten.
Sinnvoller ist eine vorausschauende, aber bedarfsgerechte Versorgung.
Bei Ihrer Dauermedikation beraten wir Sie gerne, wann Sie sich um Ihre nächste Packung kümmern sollten.
Halten Sie Ihren Medikationsplan aktuell
Besonders hilfreich ist es, wenn Sie wissen, welche Wirkstoffe Sie tatsächlich einnehmen.
Bringen Sie bei Bedarf Ihren aktuellen Medikationsplan mit oder zeigen Sie uns Ihre Medikamentenliste.
Das erleichtert uns die Beurteilung möglicher Alternativen – insbesondere dann, wenn Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen.
Informieren Sie uns über Unverträglichkeiten und Besonderheiten
Wenn Sie bestimmte Hilfsstoffe nicht vertragen, Probleme beim Schlucken haben oder beispielsweise auf eine spezielle Darreichungsform angewiesen sind, teilen Sie uns dies bitte mit.
Ein theoretisch austauschbares Arzneimittel muss nicht automatisch für jeden Menschen gleichermaßen geeignet sein.
Genau deshalb gehört zur Arzneimittelversorgung immer auch die persönliche Beratung.
Nehmen Sie Medikamente nicht eigenmächtig anders ein
Wenn eine bestimmte Wirkstärke nicht verfügbar ist, erscheint es manchmal naheliegend, Tabletten zu halbieren, mehrere Tabletten zusammen einzunehmen oder die Einnahmehäufigkeit selbst zu verändern.
Bitte tun Sie dies nicht ohne Rücksprache.
Nicht jede Tablette darf geteilt oder zerkleinert werden. Bei bestimmten Arzneimitteln kann dadurch beispielsweise die Freisetzung des Wirkstoffs verändert werden.
Fragen Sie uns lieber einmal mehr.
Was sollten Sie tun, wenn ein wichtiges Medikament bald aufgebraucht ist?
Wenden Sie sich möglichst frühzeitig an uns – insbesondere bei Medikamenten, die Sie regelmäßig benötigen.
Bringen Sie Ihre Verordnung beziehungsweise Ihr E-Rezept mit und teilen Sie uns mit, wie lange Ihr aktueller Vorrat noch reicht.
Wir können dann gezielt prüfen:
- Ist das gewohnte Arzneimittel kurzfristig beschaffbar?
- Gibt es ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers?
- Welche weiteren pharmazeutisch und rechtlich zulässigen Alternativen bestehen?
- Ist eine Rücksprache mit der behandelnden Praxis erforderlich?
Je früher wir von dem Problem wissen, desto mehr Handlungsspielraum besteht.
Besonders wichtig bei Kindern
Gerade Eltern machen sich Sorgen, wenn beispielsweise ein verordnetes Antibiotikum oder ein benötigter Saft nicht verfügbar ist.
Bitte verändern Sie bei Kindern niemals selbstständig die Dosierung und verwenden Sie keine vermeintlich ähnlichen Medikamente aus der eigenen Hausapotheke.
Die richtige Dosierung hängt unter anderem vom Wirkstoff, dem Alter beziehungsweise Körpergewicht und der jeweiligen Erkrankung ab.
Sprechen Sie mit uns. Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen und – falls notwendig – mit der behandelnden Praxis, welche geeignete Alternative möglich ist.
Warum Ihre Apotheke vor Ort bei Lieferengpässen besonders wichtig ist
Lieferengpässe machen deutlich, dass Arzneimittelversorgung weit mehr bedeutet, als eine Packung aus einem Regal zu nehmen.
Hinter einer erfolgreichen Versorgung können mehrere Warenabfragen, die Prüfung verschiedener Präparate, pharmazeutische Bewertungen und Gespräche mit Großhandel oder Arztpraxis stehen.
Vieles davon findet für Sie unsichtbar im Hintergrund statt.
Unsere Aufgabe ist es, aus einem Lieferproblem möglichst kein Therapieproblem werden zu lassen.
Dabei achten wir nicht nur darauf, ob irgendeine Packung verfügbar ist. Entscheidend ist, ob die Alternative zu Ihrer Verordnung, Ihrer Dosierung und Ihrer persönlichen Situation passt.
Unser Rat: Sprechen Sie frühzeitig mit uns
Wenn Sie erfahren, dass eines Ihrer Medikamente momentan schwer erhältlich ist, müssen Sie nicht in Panik geraten und auch nicht selbst zahlreiche Apotheken oder Internetanbieter nach vermeintlichen Alternativen durchsuchen.
Kommen Sie zu uns oder sprechen Sie uns frühzeitig an.
Wir prüfen die Verfügbarkeit, suchen nach geeigneten Alternativen und erklären Ihnen verständlich, wenn sich beispielsweise Hersteller, Packung oder Aussehen Ihres Arzneimittels ändern.
Denn gerade in Zeiten von Lieferengpässen zeigt sich eine der wichtigsten Aufgaben Ihrer Apotheke:
Wir geben nicht nur Medikamente ab. Wir kümmern uns darum, dass Ihre Arzneimitteltherapie möglichst sicher und zuverlässig weitergeführt werden kann.



